Ein Rückblick

Es war das Jahr 1936. In unserer Gemeinde war die Kirche in zwei Lager gespalten, den "Deutschen Christen" und der "Bekenntnisgemeinde Holzwickede" . Unter dem ständigen Druck der Nationalsozialisten fanden sich die "Bekennenden" zum Gottesdienst im Saal der Gaststätte Herkelmann zusammen, unterstützt durch auswärtige Posaunenchöre.

In dieser schweren Zeit ergriff der damalige Pastor Dünhölter die Initiative und sammelte in der Gemeinde Geld, um die notwendigen Instrumente für einen eigenen Posaunenchor anzuschaffen. Als Dirigent wurde Herr Wilhelm Koring aus Bochum-Langendreer gewonnen.

Trotz aller Nöte und Sorgen dieser Zeit schaffte es der Posaunenchor, bereits am 04.Oktober des selben Jahres zur Hochzeit von Herrn Pastor Dünhölter den Choral Jesu, geh´ voran einstimmig zu blasen. Als Übungsraum diente damals ein Geschäftsraum der noch heute an der Hauptstrasse ansässigen Familie Rieke.

Im Laufe dieser Zeit kam es immer wieder zu Schikanierungen durch Angehörige der Hitlerjugend, jedoch führte dieser Umstand eher dazu, daß alle Beteiligten noch enger zusammen rückten.

Mit der Zeit wurden aus den "Anfängern" gestandene Bläser und man traf sich zusätzlich in der Backstube der Bäckerei Lehning am Landweg.

Ein großer Tag für die Posaunenarbeit war der 22. Juni 1941. Trotz des ausgebrochenen Krieges und den zum Wehrdienst eingezogenen Bläsern wurde der Chor personell geschwächt, innerlich jedoch weiter gestärkt. Und in genau dieser Phase wurde in Bielefeld der "Posaunengeneral" Kuhlo beigesetzt, begleitet durch viele hundert Bläser. Auch der damalige Trompeter des Posaunenchores, Alfred Brinkmann, sowie der spätere Pastor Otto Kiefer waren Zeitzeugen dieses Anlasses. Heimgekehrt mit prägenden Eindrücken entstand der Wunsch, auch in Holzwickede zumindest ein Treffen vieler Bläser zu veranstalten. Aus diesem Grunde wurden noch im selben Jahr alle Chöre der Synode eingeladen.

Als an diesem besagten 22. Juni, der ja auch gleichzeitig Kriegsanfang mit Rußland war, viele Bläser im Gottesdienst und später in der ehemaligen Präparandie in Rausingen das Lob Gottes erklingen ließen, erschien es wie ein Lichtstrahl in der dunklen Zeit des Krieges. Als der Tag mit dem Choral Gloria sei Dir gesungen beendet wurde, da ahnten alle Teilnehmer, daß dieses Treffen wohl für lange Zeit das letzte sein würde.

Der Krieg wurde immer erbitterter geführt und selbst die 16- bis 17-jährigen Jungen wurden eingezogen. Als Konsequenz hieraus mußte die Posaunenarbeit vorübergehend ruhen.

Der für den einberufenen Pastor Dünhölter eingesetzte Pastor Dr. Wachsmuth kam schließlich im Jahre 1945 bei den schweren Luftangriffen auf Holzwickede ums Leben, so daß die Kreissynode gleich nach den Wirren des Krieges Herrn Pastor Kandzi in die Kirchengemeinde Holzwickede entsandte, um die nicht mehr existenten Jugend- und Gemeindekreise neu aufzubauen.

Den Aufbau des Posaunenchores übernahm wieder Herr Koring, der immer noch mitten im Ruhrgebiet wohnte, und als Dank für seinen unermüdlichen Einsatz regelmäßig Lebensmittelspenden dankbarer Bürger mit nach Hause nehmen konnte, wo die Hungersnot als Folge des Krieges am größten war.

In dieser Nachkriegszeit wuchs der Chor wieder rasch zu einer ansehnlichen Größe heran und es wurden viele Fahrten in Kooperation mit der evangelischen Jugend in die Gemeinden der Synode organisiert. Hier wurde auch das Evangelienspiel "Der Ruf" aufgeführt, an welches sich die Ehemaligen sicher noch gerne und lange erinnern werden.

Da Herrn Koring mit zunehmendem Alter der Dienst zu schwer wurde, übernahm der Trompeter Alfred Brinkmann das Amt des Chorleiters und nach dem Bau des Gemeindehauses an der Goethestraße fand der Posaunenchor auch ( bis heute ) ein richtiges Zuhause.

Neben dem Mitwirken in Gottesdiensten und an Gemeindefesten, dem Kurrendeblasen auf den Straßen Holzwickedes in der Weihnachtszeit und den Geburtstagsständchen für die älteren Gemeindemitglieder sind auch die häufigen Besuche des Chores im Zuchthaus Werl zu erwähnen.

Im Jahre 1956 erhielt Pastor Heinrich Kandzi, der bisher nur durch einen Hilfspfarrer begleitet wurde, Unterstützung durch Pastor Weissinger. Die evangelische Kirchengemeinde wurde in die Bereiche Mitte und Nord aufgeteilt, wobei Pastor Weissinger von nun an die Geschicke des nördlichen Gemeindegebietes lenken sollte.

In dieser Phase wuchs der Chor weiter und Alfred Brinkmann konnte eine feste Bläserschar um sich sammeln, von denen auch heute noch einige in den heimischen Posaunenchören aktiv sind.

Am 16.09.1961 wurde schließlich das erste Jubiläum gefeiert, bei dem auch die Frau des damaligen Posaunenchorgründers Pastor Dünhölter anwesend war. Neben den Ehrungen für E. Lehning (Gründungsmitglied) und Alfred Brinkmann (Chorleitung) wurde auch der langjährige Bassist Ulrich Winkelmann, mit der Bibel als Marschgepäck, zum anstehenden Wehrdienst verabschiedet.

Im Jahre 1964 schließlich wurde beschlossen, bedingt durch den ständigen Wachstum der Kirchengemeinde, den Bezirk Holzwickede Süd zu gründen. Herr Pastor Kiefer wurde als Seelsorger dieses Bereiches auserwählt. Seine Verbundenheit zu den Einrichtungen in Bethel und zu Johannes Kuhlo ließen schnell seinen Entschluß reifen, für die sich in der Planung befindlichen Südkirche ebenfalls einen Posaunenchor zu gründen.

 

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