Freizeiten Teil 1

1971 Chabeuil / Frankreich

Nach der Eingewöhnung als "musikalischer Direktor" des Südbezirkes begann Werner Wemhöner, neben dem Bläseralltag, Ziele für gemeinsame Freizeiten zu erkunden.

Gemeinsam mit Pastor Kiefer knüpfte er Kontakte zu der kleinen Gemeinde Chabeuil, im Süden Frankreichs gelegen. Die erste gemeinsame Fahrt dorthin wurde im Jahre 1971 durchgeführt. Neben einigen Bläsern des eigenen Chores gesellten sich Mitglieder des Posaunenchores Mitte-Nord, das Küster-Ehepaar Buchgeister und Familienangehörige der beiden Chöre dazu.

Besonders sei an dieser Stelle erwähnt, das gerade die französische Mentalität unseren Chor bis heute positiv beeinflusst hat :

Geselligkeit und Humor haben für immer Einzug gehalten.

Die besondere finanzielle Situation dieser Kirchengemeinde Chabeuil ließ die Partnerschaft noch intensiver werden. In Holzwickede wurde bei Veranstaltungen für den Aufbau des Gemeindehauses gesammelt, Familienfreundschaften wurden geknüpft und im Jahre 1978 fuhr der Posaunenchor zum zweiten Mal nach Frankreich.

Bevor ich aber darauf näher eingehe, möchte ich noch auf zwei weitere Freizeiten aufmerksam machen. Durch die aktive Mitgliedschaft von Werner Wemhöner in der Turngemeinde Holzwickede stellte er den Kontakt zu dem Ski- und Ferienheim in Ober-Achseten bei Frutigen her. In den Jahren 1972 und 1975 fuhren die Holzwickeder Posaunenchöre gemeinsam in das landschaftlich sehr schön gelegenen Schweizer Bergdorf.

1975 Frutigen / Schweiz

Diese Fahrt dorthin war mein erstes Ferienerlebnis mit dem Posaunenchor, an das ich mich sehr gerne erinnere. Unvergessen bleiben für mich die Fußballspiele auf dem Bolzplatz, viele Touren in die Bergwelt und die Nachtwanderung mit echten Geistern (dargestellt von erfahrenen Bläsern) und einem wirklichen Opfer ( Serlock ). Hinzu gesellt sich in meiner Erinnerung ein uns ständig verfolgender Hund, der von uns Harris getauft wurde. In bläserischer Hinsicht habe ich während dieser Fahrt das erste Mal alleine bei einem "Wettbewerb" vorspielen müssen, einstudiert von Alfred Brinkmann : Den Herren lobt mit Freuden von Heinrich Schütz, 1.Stimme.

Auch die Chorgemeinschaft war damals, wie auch heute noch, sehr gut. Wir übernachteten in Mehrbettzimmern, unternahmen sehr viel gemeinsam oder in kleineren Gruppen. Und auch die Hierarchie der Bläser war aus meiner Sicht klar geregelt : bei dem Versuch, die sehr schmale Treppe in den ersten Stock hinaufzugehen, kam mir von oben ein älterer Bläser entgegen und schubste mich unerwartet die Treppe wieder hinunter. Diese schmerzliche Erfahrung ließ mich zumindest erahnen, welchen Stellenwert ein erfahrener Bläser hat.

Ansonsten verlief diese Fahrt jedoch sehr friedlich. Bei der bereits angesprochenen Nachtwanderung wurde uns zuvor eine Gruselgeschichte erzählt, um uns richtig auf die bevorstehende Tour vorzubereiten. Mitten im Wald hörten wir dann aus einiger Entfernung seltsame Geräusche und etwas später sahen wir auch unheimliche Gestalten, die sich oberhalb von uns auf einer Lichtung bewegten. Serlock ( Matthias Kampmann ), ein Jungbläser in meinem Alter, hatte sich zu Beginn der Wanderung über die Geschichte lustig gemacht, doch jetzt, in der Stunde der Wahrheit, fing er bitterlich an zu weinen und äußerte den Wunsch, schnellstmöglich wieder umzukehren.

So blieb mir diese Fahrt in guter Erinnerung und ich habe viel über Kameradschaft, gemeinsames Musizieren und echte Berggeister dazugelernt.

1978 Chabeuil / Frankreich

Zu dieser Freizeit reiste der Posaunenchor mit einigen Familienangehörigen in den kleinen Ort Chabeuil. Nach einer nicht enden wollenden Zugfahrt wurden wir am dortigen Bahnhof von unseren Gastfamilien empfangen. Ich selber wohnte mit meinem Vetter zusammen auf einem Hof mit Geflügelzucht.

Dieser Umstand bedeutete aber, daß wir quasi von der Außenwelt abgeschnitten waren; bis zu dem Ortskern waren es gut zehn und zum nächsten Nachbarn etwa drei Kilometer, wir waren also, der französischen Sprache nicht mächtig, auf uns alleine gestellt. Um so intensiver wurde dadurch das Verhältnis zu unserer Gastfamilie und zur französischen Küche, denn die reichlich vorhandene Zeit in den Abendstunden wurde durch nicht enden wollende, mehrgängige Festessen ausgefüllt.

Entsprechend der Wohnsituation unternahmen wir sehr viel mit dem Auto. Wir besuchten eine Glasbläserei, machten Ausflüge in das Ardeche-Tal und in die nahe gelegene Stadt Avignon.

Auch die Kontakte zu den Franzosen wurden bei gemeinsamen Abendveranstaltungen und Fahrten "ins Grüne" intensiviert.

Wir lernten viel über französische Bräuche und Sitten, über französische Speisen und, gerade Werner Wemhöner, über die Robustheit und Bequemlichkeit französischer Autos.

Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ bei mir jedoch der Abschiedsabend. Am Bahnhof angekommen, mußten wir feststellen, daß unser Zug viel später als angenommen eintreffen würde. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, holten wir also unsere Instrumente heraus und spielten in der Bahnhofshalle aus unseren, noch heute existierenden Mappen. Die ebenfalls noch anwesenden Gastgeberfamilien und weitere, auf dem Bahnhof wartende Passanten, gesellten sich zu uns und fingen spontan an zu singen und tanzen. Aus der Warterei entwickelte sich urplötzlich eine spontane Fete.

Um so ergreifender wurde dann der Abschied, als der Zug eintraf. Das französische Abschiedsritual mit Küssen auf die Wangen, Umarmungen, Tränen und weiteren Küssen wurde in einer Perfektion zelebriert, daß ich bis heute sehr vorsichtig und distanziert bin, wenn es um eine Verabschiedung geht.

1982 Alhorn

Möglicherweise nicht die erste Fahrt in die Alhorner Heide, aber zumindest die erste, an die ich mich noch erinnern kann.

Schon die Hinreise, damals noch mit dem Bus, zeigte uns, daß es in Deutschland noch andere Landschaften als das heimische Westfalen oder das Sauerland gab. Entlang der Autobahn gab es nichts als ausgedehnte Wiesen und Felder zu sehen, bis wir von dieser abfuhren und in ein großes Waldgebiet mit vielen Fischteichen gelangten. Diese, eher einem Urwald ähnliche, bizarre Landschaft schien der ideale Ort für einen Posaunenchor zu sein, der die Abgeschiedenheit liebt, Ruhe und Erholung sucht und unbemerkt hemmungslos Alkohol konsumieren möchte.

Aus diesem Grunde sind wir Alhorn bis heute treu geblieben und werden es auch in der absehbaren Zukunft wohl weiter sein.

Zweitrangig dienten diese Aufenthalte natürlich auch als Trainingslager, um uns auf bevorstehende musikalische Großveranstaltungen vorzubereiten. Ich denke, wir haben täglich ca. vier bis fünf Stunden damit verbracht, unseren Ansatz zu festigen, die Technik zu perfektionieren und den ausgewählten Stücken das notwendige Leben einzuhauchen.

Die Ergebnisse dieser Bemühungen durften wir dann am Ende der Freizeit in einem Gottesdienst einer erlesenen Gemeinde präsentieren.

Doch der Spaß blieb natürlich nicht auf der Strecke. Dank eines umsichtigen und toleranten Chorleiters entstand eine gute Mischung aus Disziplin und Lockerheit. Der nach dem gemeinsamen Essen eingerichtete Spüldienst funktionierte ebenso wie das gesellige Miteinander.

Dank eines uns zur Verfügung stehenden Ruderbootes, einer Tischtennisplatte, einem Flipper, eines Fußballplatzes und, nicht zu vergessen, einem kleinen Laden, in dem man sich mit dem Notwendigsten versorgen konnte, kam zu keiner Zeit Langeweile auf.

Fußball wurde mit ebenfalls anwesenden Gruppen gespielt, vereinsinterne Tischtennisturniere fanden großen Anklang und überraschende Sieger. Die regelmäßigen Bootsfahrten, besonders ohne weitere Kontrolle in den Abendstunden, fanden ebenso großen Anklang, wie die darauf folgenden gemütliche Stunden mit nachgesüßtem Edlem von Mornag. Dieser feine Rotwein hat wahrscheinlich auch dafür gesorgt, daß spätestens nach zwei Tagen auch wirklich jeder weitere anwesende Gast von unserer Existenz wußte.

So erschien eines Abends, während wir in fröhlicher Runde wichtige Belange der Chorarbeit erörterten, der Leiter einer unter uns wohnenden Jugendgruppe, um uns mitzuteilen, daß bei unserem Lautstärkepegel ein Ruhen seiner Teilnehmer nur schwer möglich sei. Just in diesem Moment erklang, nach der Aufforderung "Dietmar, mach die Sau" ,von diesem aus einem der Zimmer unser liebgewonnener Urschrei. Dies hatte schließlich zur Folge, daß sich in unserem Verhalten nichts änderte, den Jugendlichen von unten aber der Kontakt zu uns verboten wurde.

Musikalisch gesehen war der Chor an seinem Höhepunkt angelangt. Die Besetzung mit den "Kiefer´s" und anderen mittlerweile gereiften Bläsern ermöglichte es dem Chor, auch größere Werke berühmter Komponisten zu realisieren. So wurden die Wassermusik, einzelne Sätze der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel, Stücke von Prätorius und Intraden von Pezelius gespielt. Doppelchörige Musik war zudem von der Besetzung her eh kein Hindernis mehr.

So endete diese Freizeit mit dem Wissen, in Alhorn das richtige Domizil für diesen anspruchsvollen Chor gefunden zu haben.

1985 Alhorn

In diesem Jahr stand den Bläsern ein großes Ereignis bevor : das 20jährige Chorjubiläum. Grund genug, diesen schönen Ort ein weiteres Mal aufzusuchen. Das Konzertprogramm war festgelegt, die Stücke hörten sich schon recht gut an und die letzten Unklarheiten sollten hier beseitigt werden.

Mit viel Ruhe und viel Kraft wurde dieses Vorhaben angegangen.

Entsprechend vorbereitet fuhr unser Chor nach vielen schönen Stunden und der Erfahrung, daß nur intensives Üben zum gewünschten Erfolg führt, schließlich wieder Richtung Heimat, um dort auf das bevorstehende Konzert zu warten.

 

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